In 5 einfachen Schritten zum effektiven Jahresfokus

Zum Abschluss der Artikelreihe zum Thema Fokus zeige ich dir, wie du ganz einfach deinen eigenen Jahresfokus finden kannst. 

Warum ein Jahresfokus?

Im Gegensatz zu Vorsätzen oder konkreten Zielen bietet ein Jahresfokus dir eine grundsätzliche Orientierung, die sich auch in turbulenten Zeiten aufrecht erhalten lässt. Dadurch fällt es dir leichter, dich auch im Alltag an das zu erinnern, was dir wichtig ist, und am Ende des Jahres einen großen Schritt weiter zu sein (bzw. nach einer mittelfristigen Zeitspanne, du musst nicht genau ein Jahr wählen, es bietet sich aber an, weil du dabei kaum den Überblick verlieren kannst, wie weit dein gewählter Zeitraum vorangeschritten ist). 
Beispiel: Statt “Ich möchte abnehmen” (Vorsatz) oder “Am Datum x wiege ich y Kilo” (Ziel) kannst du mit einem Fokus auf “Gesundheit” sowohl deinen Einkaufszettel bewusster schreiben als auch Nein zur Schnell-Schuss-Diät sagen. 

Wann solltest du lieber keinen Jahresfokus setzen?

Grundsätzlich spricht gar nichts gegen einen Jahresfokus. Was ein Problem darstellen kann, ist wenn du dazu neigst, dich auf abstrakten Angaben auszuruhen und dann keine Konsequenzen zu ziehen. Du solltest also nicht NUR einen Jahresfokus setzen, wenn du dann nie wieder etwas dafür TUST. Wenn du schon weißt, dass du damit Schwierigkeiten hast, empfehle ich dir, dich zusätzlich zu committen, z.B. indem du einem Freund Geld zur Verwahrung gibst, das er spendet, wenn du dein Ziel nicht erreichst (du kannst dein Commitment verstärken, indem du eine Organisation wählst, deren Ziele du nicht teilst, z.B. eine Partei, die du nicht magst). Wenn du den Druck dabei nicht gut findest und/oder dir jemanden wünschst, der den ganzen Weg an deiner Seite ist, kannst du dich auch gezielt begleiten lassen, z.B. in einem Coaching

So funktioniert ein Jahresfokus

Grundlegend beim Fokussetzen ist, aus dem Alltags-Gerenne rauszukommen und dich gezielt auf das auszurichten, was dir wichtig ist. Wenn du das einmal gemacht hast, hast du einen kallibrierten Kompass, auf den du immer wieder schauen kannst, um weiter in die richtige Richtung zu gehen. Natürlich kann sich dein Ziel auch irgendwann ändern, aber deswegen justierst du deine Werkzeuge eben für einen mittelfristigen Zeitraum wie ein Jahr.

Kallibrieren kannst du deinen Kompass mit fünf Schritten:

Schritt 1: Abstand gewinnen und durchatmen

Du hast wahrscheinlich gerade viel im Kopf. Es geht nicht darum, das alles jetzt von A nach B zu wälzen, sondern dich grundsätzlich gezielt auszurichten. Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass du dabei zu diesen Themen zurückkommst, weil du merkst, dass sie dir wichtig sind. Aber nimm dir die Zeit, das zu überprüfen, denn oft werkeln wir einfach vor uns hin, weil die Aufgaben sich eben angesammelt haben, und fragen gar nicht mehr, warum wir sie eigentlich erledigen wollen.
Lass also heute mal ein paar der Dinge weg, die nicht unbedingt sein müssen, und nimm dir dafür lieber Zeit für deinen Fokus. Dein Keller kann auch bis morgen noch unaufgeräumt bleiben, die Facebook-Diskussion kommt ein paar Stunden ohne dich aus und die neue Folge auf Netflix läuft dir auch nicht weg. 

Wenn du dir ein Zeitfenster geschaffen hast, sorge für so viel Ruhe, wie es geht: Häng ein “Bitte nicht stören”-Schild an die Tür, stell dein Handy auf lautlos, schalte dir evtl. eine entspannte Hintergrundmusik ein (du findest auf Youtube z.B. “Work Jazz” – Achtung, nicht bei der Suche nach dem “perfekten” Lied verzetteln: Wenn du nicht innerhalb von ein paar Minuten etwas Passendes findest, lass es einfach). Auch der Stapel mit Arbeitsmaterial kann jetzt erstmal auf den Nebentisch wandern, genauso wie die Putzliste. Das ist jetzt alles nicht dran.

Tipp: Wenn du merkst, dass du unfokussiert bist, hilft das auch im Alltag: Innehalten und neu ausrichten, erst dann weiter To Dos abarbeiten 😉

Schritt 2: Erinnere dich,was dir wichtig ist

Hast du dir Anfang des Jahres Gedanken gemacht, was du dieses Jahr erreichen möchtest? Hilfreich ist natürlich, wenn du schon eine Vision für dein glückliches Leben hast, du kannst dir aber auch einfach eine ungefähre Vorstellung davon machen, was du erreichen willst. Wenn du dir schwer damit tust, überlege dir, was gerade schlecht läuft und wo du stattdessen hin möchtest.
Das ist übrigens auch generell effektiver, um zu bekommen, was du willst: Dich auf das auszurichten, wo du hin willst, statt den Blick darauf zu halten, wovon du weg möchtest.

Notiere dir alles, was dir einfällt. Mach dir keine Sorgen, wenn du merkst, dass du dich gerne auf etwas ausrichten möchtest, aber keine Möglichkeit dazu siehst. Schreib es dir trotzdem auf. Fokus heißt nicht, dass du den Weg schon kennen musst, sondern nur, dass du weißt, dass du ihn gerne gehen würdest. Denn wenn du dich daran erinnerst, was dir wichtig ist, wird dein Gehirn sich nach Möglichkeiten umsehen, das umzusetzen. 
Beispiel: Du willst gerne mehr Zeit mit deiner Familie verbringen, arbeitest aber in Vollzeit. Im Moment siehst du dazu keine Alternative, aber mit deinem gesetzten Fokus horchst du auf, als eine Kollegin von einer Stelle in der anderen Abteilung erzählt, bei der die Arbeitszeiten für dich günstiger liegen. Mit der Klarheit darüber, was du erreichen willst, fällt es dir leichter, deine Versetzung zu erwirken.

Schritt 3: Finde die Gemeinsamkeiten

Du hast jetzt wahrscheinlich eine recht wilde Liste von Wünschen und Ideen vor dir liegen. Jetzt geht es darum, herauszufinden, was dahinter steckt. Keine Sorge, du musst nicht alle deine Beweggründe analysieren (wobei sich die grundsätzliche Auseinandersetzung damit, warum du wie handelst, durchaus lohnt). Schau dir einfach deine Wünsche an und überlege dir, was du eigentlich damit erreichen willst.
Ein bis zwei Schritte genügen, du musst nicht alles Abstrahieren (sonst kommst du wahrscheinlich einfach bei allem bei “glücklich sein” heraus). 

Beispiel: “Abnehmen” ist nicht an sich ein Wunsch, die wenigsten Menschen erforschen per se gerne, wie ihr Körper auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert. Worum geht es dabei wirklich? Z.B. willst du dich wohler in deinem Körper fühlen. Dann wäre das dahinter liegende Schlagwort z.B. Leichtigkeit. Oder aber, du bist frustriert darüber, wie du immer wieder für dein Gewicht ausgelacht wirst, dann geht es dir z.B. um Respekt. Vielleicht hasst du deine Speckröllchen und erhoffst dir vom Abnehmen, dich wieder selbst mehr zu mögen. Dann geht es um Selbstliebe. (Womöglich merkst du dann auch, dass es mehr als einen Weg gibt, das zu erreichen, was du dir wünschst!)

Schau dir deine Notizen an und überlege dir, was bei deinen Wünschen häufig im Hintergrund steht. So kann z.B. Ausmisten und Abnehmen beides ein Mittel sein, um mehr Leichtigkeit im Leben zu erreichen. Genauso kann es aber sein, dass für dich Ausmisten mit Effizienz zusammenhängt und Abnehmen mit Gesundheit. Oder Ausmisten mit Gesundheit (weil du z.B. zu viele Staubfänger in deiner Umgebung hast) und Abnehmen mit Effizienz (weil es dich ärgert, wie wenig du schaffst, bevor du aus der Puste bist). 

Schritt 4: Setze deinen Fokus

Wenn du eine Vorstellung davon hast, worauf deine wichtigsten Themen abzielen, kannst du deinen Fokus setzen. D.h. du wählst die 3-5 wichtigsten Punkte aus deiner Liste, um die du dich dieses Jahr besonders kümmern möchtest (ich empfehle mehr als einen einzigen Jahresfokus zu wählen, weil du sonst schnell verbissen wirst).

Nimm dir jetzt noch ein bisschen Zeit, um gute Begriffe zu finden, die dich direkt wieder daran erinnern, worum es dir dabei geht. Statt “abnehmen” könntest du z.B. “Wohlfühlgewicht” schreiben oder statt “Renovierung” sowas wie “Traumhaus”. Wähle Begriffe, die dich für das Thema begeistern!

Schritt 5: Erschaffe dir eine Erinnerung an deinen Fokus

Damit du auch im Alltags-Trubel nicht vergisst, was du dir vorgenommen hast, braucht es nicht viel. Akzeptiere, dass du als Mensch ein begrenztes Gedächtnis hast und Ablenkungen dazu gehören – und dann bastel dir eine Hilfestellung. Das kann ein Bild sein, das du dir über den Schreibtisch hängst, ein großes Plakat, auf das du deine wichtigsten Erkenntnisse aufschreibst, ein Schlüsselanhänger oder auch sowas wie eine Emailerinnerung. Wähle etwas, das du auch im vollgepacktesten Alltag irgendwann wieder vor Augen haben wirst.

Und wenn du es dann siehst: Atme tief durch, erinnere dich, worum es dir eigentlich geht – und vielleicht hast du dann schon wieder etwas mehr Motivation, an die Arbeit zu gehen, oder nimmst den komischen Kommentar auf Facebook nicht mehr so ernst.

Tipp: Fokus setzen kannst du natürlich nicht nur für ein Jahr, sondern auch für andere Zeiträume: Ein Quartal, einen Monat, eine Woche oder einen Tag. Dafür musst du dann natürlich nicht jedes Mal einen neuen Schlüsselanhänger kaufen. Aber zum Beispiel kann ein Notizblock, auf dem du jeden Tag die wichtigste Aufgabe notierst, dir viel bringen. 

Fazit

Ein Jahresfokus verbindet eine grundlegende Ausrichtung auf deine Ziele mit der Flexibilität, dich in deinem Tempo um die Umsetzung zu kümmern. Du kannst leichter Entscheidungen treffen und deine Wahrnehmung für neue Möglichkeiten, die dich deinem Ziel näherbringen, ist geschärft. Um deinen Kompass zu kallibrieren, brauchst du Ruhe, Besinnung auf das, was dir wichtig ist, und ein ungefähres Verständnis dafür, worum es dabei wirklich geht. Dann kannst du festlegen, worauf du dich konzentrieren willst, und dich mit einfachen Mitteln daran erinnern. 


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