Die eigenen Wünsche erkennen für Einsteiger

Was will ich eigentlich? Ich helfe dir, es herauszufinden.

Was will ich eigentlich? Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Ich zeige dir, wie du in fünf Schritten den Einstieg schaffst, um deine Wünsche kennen zu lernen. 

Schritt 1: Erlaube es dir, deine eigenen Wünsche zu ergründen

Oft glauben wir, unsere Wünsche hätten keine Relevanz. “Wer bin ich denn schon? Doch nur einer von vielen! Klein und unwichtig. Habe ich da überhaupt das Recht, danach zu fragen, was ich will? Das ist doch schrecklich egoistisch!”

Bewusst oder unbewusst, so hat sich die Unsicherheit in vielen von uns eingebrannt. Diese Kleinhaltetaktik ist jedoch sehr kurz gedacht. Deine Wünsche sind vielleicht an der Oberfläche unwichtig, doch wenn du dich darauf einlässt, sie wirklich zu ergründen, befreist du ein viel größeres Potenzial in dir. Dieses nutzt wiederum vielen Menschen, nicht nur dir. Denn wenn du klar darin bist, was du willst, kannst du mit dem nervigen Hin und Her aufhören, deine volle Power entfalten und auch echte Versprechen geben, auf die sich die anderen verlassen können.

Sich mit deinen Wünschen auseinanderzusetzen, ist also keineswegs egoistisch!


Schritt 2: Befasse dich mit dem Thema “Bedürfnisse”

Wenn wir unvorbereitet darüber sprechen sollen, was wir wollen, kommen uns wahllos Dinge in den Sinn. Wir wollen gerne gesund sein, Geld ist auch was Feines. Eine gute Beziehung wäre schön, und ein Arbeitsplatz, an dem wir uns gerne engagieren. Wenn wir darüber nachdenken, erinnern wir uns vielleicht an die Dinge, die wir häufig für selbstverständlich nehmen: Natürlich wünschen wir uns auch, dass wir weiterhin klares Wasser trinken können, oder dass wir ohne Strahlenschutzanzug das Haus verlassen können.

Auf der anderen Seite kann es passieren, dass es uns von außen betrachtet sehr gut geht, uns aber trotzdem das Gefühl plagt: “Da fehlt noch was … Aber was?” Da fehlt dann z.B. der Sinn.

Interessant daran ist, dass unsere Bedürfnisse nicht einfach wild wuchern, sondern eine Hierarchie haben. Diese ist uns oft nicht bewusst, aber wenn wir darüber nachdenken, ergibt es auf einmal Sinn. Abraham Maslow hat das einprägsame Modell der Bedürfnisspyramide entwickelt.

Maslow'sche Bedürfnispyramide
Quelle: Wikipedia

Die Basis bilden Bedürfnisse, die jeder hat, z.B. satt zu werden und sich sicher fühlen zu können. Erst wenn das erfüllt ist, können wir darüber nachdenken, wie wir Gemeinschaft, Anerkennung oder Spiritualität erlangen. Übrigens ist das auch der Grund, warum Menschen “dümmer” werden, wenn sie Angst haben: es muss erst das Sicherheitsbedürfnis wieder erfüllt sein, bevor wir uns damit befassen können, was am besten für die Welt ist. 

Wenn du verstehst, wie die Bedürfnisse aufeinander aufbauen, kannst du auch begreifen, warum du z.B. vor Aufgaben zurückgeschreckt bist, die dich eigentlich begeistern sollten: sie haben nur eine höher liegende Ebene angesprochen, ohne die darunter liegenden abzusichern. Oder konkret: die Vorstellung, dein Buch zu veröffentlichen, spricht dein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung an, aber wenn du keine Idee hast, wo dann das Essen auf dem Tisch herkommen soll, bleibt das Manuskript in der Schublade. (Diese Idee kann auch sowas wie “Gottvertrauen” sein, auch Dinge, deren konkreter Effekt sich nicht so leicht absehen lässt, können Bedürfnisse erfüllen.) 

Du hast allerdings noch mehr Bedürfnisse als die im Schaubild, das sind nur Überbegriffe. Aber schau z.B. mal hier. Mit Bedürfnislisten wie dieser kannst du den vagen Gefühlen, die in dir herrschen, näher kommen. Je klarer du dir darüber wirst, worum es gerade eigentlich geht, desto leichter fällt es dir, eine Antwort auf die Frage “Was will ich eigentlich?” zu finden. 


Schritt 3: Beobachte dich

Der Gedanke an die Hausarbeit lässt dich schwer seufzen? Du ziehst eine Grimasse, wenn du siehst, dass dich dein Chef anruft? Dir wird übel, wenn du an das nächste Treffen mit deinem Vermieter denkst?

Das sind nicht einfach nur Unannehmlichkeiten, die du hinnehmen musst, es sind explizite Signale deines Körpers, dass etwas nicht stimmt. “Na danke, das weiß ich schon längst”, denkst du jetzt vielleicht. Aber bleib an dem Gedanken dran, es lohnt sich! Wenn du etwas als unstimmig wahrnimmst, gibt es nämlich auch eine stimmige Version davon!

Vielleicht wirst du nie zur begeisterten Abspülerin. Aber das heißt nicht, dass du damit nicht in Frieden kommen kannst. Doch dafür musst du erst einmal merken, wo es hakt. Und das sagt dir dein Körper sehr genau. 

Beobachte dich in der nächsten Zeit genauer als bisher: Wo pressen sich deine Lippen zusammen, wann runzelst du die Augenbrauen? Wann verdrehst du die Augen, und was verursacht dir Bauchschmerzen? Was fühlt sich schwer an – und was leicht? Was bringt dich zum Lachen? Wann leuchten deine Augen? Wo entspannt sich dein Körper?

Schreib es dir auch ruhig auf. Mit der Zeit wirst du Muster erkennen. Manche waren dir vielleicht schon bewusst und du siehst bloß (im Moment) keine Alternative, manche weisen dich auch erst darauf hin, dass etwas im Argen ist. Doch erst, wenn du weißt, wo du eine Veränderung brauchst, kannst du sie auch anstreben. 


Schritt 4: Erkenne die Bedürfnisse hinter deinem Verhalten 

Schmerz und Freude stehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind Indikatoren dafür, wie es dir mit einer Sache geht. Doch warum es dir so geht, erkennst du erst, wenn du dich erinnerst, dass hinter allem Bedürfnisse stehen.

Der Job verursacht dir Bauchschmerzen, weil du einerseits das Bedürfnis nach (finanzieller) Sicherheit hast, aber z.B. zugleich dein Wunsch nach Anerkennung unerfüllt bleibt. Die Hausarbeit belastet dich, weil dein Bedürfnis nach Ordnung mit dem nach Freiheit kollidiert.

Deswegen kommt es auch so leicht zu Missverständnissen. Angenommen, du wünschst dir einen neuen Partner, doch kaum kommst du mit jemandem zusammen, willst du auch schon wieder weg. Du fragst dich, was mit dir los ist, und warum du deine Meinung geändert hast, doch das hast du in Wirklichkeit gar nicht: Du hast dir nur nicht klar gemacht, worum es dir eigentlich ging! Wo dein Partner vor allem nach Intimität sucht (z.B. durch Sex), brauchst du eigentlich jemanden, dem du dich anvertrauen kannst. Das kann in derselben Person zu finden sein, muss es aber nicht! Wenn du allerdings weißt, dass es dir um Vertrauen geht (und eher nachrangig um Intimität), kannst du das auch schon bei der Suche ausstrahlen und so denjenigen anziehen, der sich dasselbe wünscht. 


Schritt 5: Üben

Nimm dir dafür ruhig Zeit. Niemand weiß von heute auf morgen, worauf er zu achten hat. Übe immer wieder, deine Bedürfnisse einzuordnen. Du kannst z.B. jedes Mal, wenn du unzufrieden bist, in dich hineinhorchen und dich fragen: Welches Bedürfnis ist gerade nicht erfüllt?

Es gibt aus dem Bereich der Gewaltfreien Kommunikation (auch: bedürfnisorientierte Kommunikation, kann ich sehr empfehlen) zum Beispiel Übungskarten, mit denen du die Auswahl eingrenzen kannst. Vielleicht sind es auch mehrere Bedürfnisse gleichzeitig, die nicht erfüllt sind. 

Das ist am Anfang viel und kann verwirrend sein. Mach dir keinen Kopf, alles sofort “richtig” machen zu müssen. Jedes Mal, wenn du dir eine Umarmung statt eines Schokoriegels holst, weil du dein Bedürfnis korrekt als “Zuwendung” und nicht fälschlicherweise als “Hunger” identifiziert hast, bringt dich deiner Selbstkenntnis näher. 


Fazit

Die große Frage: “Was will ich überhaupt?” lässt sich beantworten, wenn du dir deine eigenen Bedürfnisse zugestehst, dich mit ihnen auseinandersetzt und sie zuzuordnen lernst. Das geht nicht von heute auf morgen, doch die Übung lohnt sich. 

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