Warum Prioritäten so wichtig sind

Warum Prioritäten setzen

Wenn es mal wieder zu viel wird, uns die Flut unserer Aufgaben überrollt, raten uns Freunde, Verwandte, Bücher und Blogartikel: “Du musst eben Prioritäten setzen”. Aber warum eigentlich? Was sind überhaupt Prioritäten? Und was macht sie so mächtig?

Was sind Prioritäten und wie funktionieren sie?

Das Wort Prioritäten kommt von lat. Prior = der Vordere. Wie der Prior, der dem Kloster vorsteht. Wenn etwas Priorität hat, ist es zuerst dran. Eine Aufgabe, die hoch priorisiert ist, wird zuerst erledigt. Eine Thema, das Priorität hat, wird zuerst bearbeitet. Klingt zunächst einmal ganz einfach, doch es gibt zwei Punkte, die Prioritätensetzung zu etwas machen, was man üben muss:

  1. Es kann verschiedene Gründe dafür geben, einer Sache Priorität zu geben. Die Einschätzung, wie wichtig etwas ist, liegt nicht in der Sache selbst begründet, sondern in allem, was damit zusammenhängt.
    Das Stück Kuchen passt nicht in meinen Diätplan, aber ich bin womöglich gerade frustriert und weiß, dass es mir kurzfristig einen Schub geben wird. Vielleicht habe ich Angst, dass es mir weggenommen wird, und denke nicht mehr darüber nach, ob ich es wirklich haben möchte. Oder ich will nicht ablehnen, was mir die Gastgeberin mit einem Lächeln in die Hand gedrückt hat. Dann hat das Essen eine höhere Priorität für mich als das Nicht-Essen. Unter anderen Umständen würde ich aber vielleicht ganz anders entscheiden. 
  2. Wir legen Prioritäten in den meisten Fällen nicht neu fest. In uns sind bereits diverse gesetzte Prioritäten vorhanden. Erfahrungen, Erziehung, die Menschen in unserer Umgebung, der vorhandene Alltag – all das prägt die Prioritäten, die wir tagtäglich unbewusst nutzen, um unser Verhalten danach auszurichten. 

Bewusste und unbewusste Prioritäten

Theoretisch wurde dir bereits viel Arbeit abgenommen: die meisten deiner Prioritäten sind schon eingerichtet, du musst eigentlich nicht mehr viel machen. Allerdings hat diese Vorauswahl auch einen Haken: sie ist nicht besonders akkurat. Was für dich als Kind wichtig war, ist dir als Erwachsene vielleicht egal – oder behindert dich sogar!
Dein Unterbewusstsein leistet enorm viel – aber es justiert häufig zu wenig nach. Und du fragst dich, warum du immer wieder Dinge tust, die dich eigentlich gar nicht weiterbringen. Deshalb lohnt es sich, herauszufinden, wie deine Prioritäten im Moment verteilt sind – und in deiner Vergangenheit verteilt wurden. Sonst übernehmen sie die Kontrolle.

Ohne (bewusst gesetzte) Prioritäten

  • kann dich jeder für seine Zwecke einspannen
  • bist du unkoordiniert und frustriert
  • verschwendest du deine Zeit auf Dinge, die längst nicht mehr aktuell sind
  • fragst du dich häufiger, wo deine Zeit geblieben ist (da du sie nicht bewusst eingesetzt hast, versickert auch die Erinnerung daran, was du damit gemacht hast)
  • haben es schlechte Angewohnheiten leichter, dich zu kontrollieren
  • verlierst du aus den Augen, was dir wirklich wichtig ist

Du siehst also: Bewusst gesetzte Prioritäten haben viele Vorteile. Aber:

Haben bewusst gesetzte Prioritäten auch Nachteile?

Jein. Sinnvoll gesetzte Prioritäten unterstützen dich voll und ganz. Probleme entstehen dann, wenn du das Priorisieren übertreibst oder auf die falschen Dinge anwendest. 

  • Wenn du deine Prioritäten bewusst setzt, gibt dir das mehr Kontrolle über dein Leben. Es kann jedoch sein, dass dir das gar nicht so gut tut, sondern dass du z.B. eigentlich mehr Leichtigkeit brauchst. Vergiss nicht, der Entspannung selbst Priorität einzuräumen!
  • Womöglich setzt du dich mit überzogenen Ansprüchen selbst unter hohen Druck. Es kann passieren, dass du mehr Dinge hoch priorisierst, als du schaffen kannst. Im Zweifelsfall gilt: tu weniger. Wenn dir alles wichtig ist, ist dir eigentlich nichts wirklich wichtig. Finde heraus, was bisher unerkannt über allem anderen steht und darauf wartet, von dir entdeckt zu werden!
  • Es kann auch passieren, dass du Entscheidungen triffst, die dir langfristig schaden, weil du z.B. jemandem gefallen willst. Hinterfrage, was wirklich deine Prioritäten sind, und wie viel sie dir nützen. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern macht die Welt gesünder. Es ist nicht grundsätzlich verkehrt, gefallen zu wollen, Beziehungen sind wertvoll – jedoch nur, wenn sie auf Gegenseitigkeit beruhen. Lerne, echte Zusammenarbeit von der Angst, allein gelassen zu werden, zu unterscheiden. 

Der Haupt-Nachteil an bewusst gesetzten Prioritäten ist also das Risiko, dich aktiv in die Überforderung zu treiben, oder dich weiter von deinem Weg zu entfernen. Damit das nicht passiert, lohnt es sich, dir für deine Prioritäten Zeit zu nehmen. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass du sie unpassend anwendest. 

Fazit

Prioritäten sind mächtig. Die Frage, was zuerst dran ist, bestimmt unser Leben – bewusst oder unbewusst. Wenn du lernst, sie bewusst einzusetzen, ohne dich dabei zu überfordern, hältst du den Hebel in der Hand, um alles zu schaffen, was dir wichtig ist. 

Wie du das machst, zeige ich dir in meinem neuen Onlinekurs.

Dort lernst du nicht nur, wie du herausfindest, was dir eigentlich wichtig ist, sondern auch, wie du es effektiv in deinen Alltag integrieren kannst. 

3 Replies to “Warum Prioritäten so wichtig sind”

  1. Liebe Iris, danke für deine klugen Worte zu Prioritäten, besonders die Unterteilung zwischen bewussten und unbewussten! Bei den unbewussten Prioritäten musste ich schmunzeln, besonders über die Formulierung “Dein Unterbewusstsein … justiert häufig zu wenig nach.” Warum nur fühle ich mich gerade (liebevoll) ertappt…? 😉

  2. Liebe Iris Brandt,
    Du bist mir schon mal irgendwo begegnet, zwar weiss ich gerade nicht wo, aber da ist ein Wiedererkennen. Das Thema Prioritäten finde ich so wichtig! Und Deinen Beitrag mit den unterschiedlichen Fragen dazu sehr tief. Die Antwort auf die Frage: wessen Prioritäten folge ich und wer hat die Kontrolle über mein Leben, erspart uns so manchen Umweg. Ich wünsche Dir viel Erfolg!

  3. Vielen Dank für diesen schönen und wichtigen Artikel! 🙂 In der Tat hilft es enorm, wenn man eine Liste an Prioritäten hat – und es ist auch wichtig, welche Prioritäten man setzt, denn dies hat einen Einfluß auf die Person, die man tatsächlich ist 🙂
    Je besser man seine Prioritäten gesetzt hat, desto entspannter und auch organisierter kann man sein Leben führen 🙂

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