Wohin mit den ausgemisteten Büchern?

In meinem letzten Artikel habe ich davon berichtet, wie ich meinen Bücherbesitz um 50% reduzierte. Damit war als allererstes das Aussortieren gemeint, doch die aussortierten Bücher lösten sich natürlich nicht einfach in Luft auf. Im Gespräch mit anderen Ausmistenden tauchte immer wieder die Frage auf: Was jetzt? Wohin mit den ganzen Büchern, wenn man sich dafür entschieden hat, sie loszulassen? Scheinbar fängt dann das Ausmisten erst richtig an.

Aber keine Bange, es ist halb so schwer, wenn man sich ein paar Grundideen klar macht. Welche das sind und mit welchen fünf Schritten ich es schaffe, meine ausgemisteten Bücher stressfrei loszuwerden, das zeige ich dir in diesem Artikel.

Eine Frage des Mindsets

Mein Umgang mit Büchern hat sich im Laufe der Jahre stark gewandelt. Ich erinnere mich noch daran, dass meine Mutter mich ermahnte, Bücher nicht achtlos beiseite zu werfen, wenn sie mir gerade im Weg waren. Mit der Zeit wurde ich deutlich vorsichtiger. Ich genoss es, sie aufzustellen, umzuschichten, sorgsam mit ihnen umzugehen. Eselsohren in ein Buch zu machen, wäre für mich nie in Frage gekommen, schon bei Bleistifteintragungen war ich sparsam (wobei da auch der Wiederverkaufswert eine Rolle spielte). Ein Buch wegzuwerfen erschien mir geradezu frevelhaft. Schließlich hatte der Autor viel Zeit und Mühe investiert, sein Herzblut einfließen lassen, Bäume waren gefällt worden, um dieses Buch zu schaffen, und selbst wenn es mir nicht gefiel, konnten immer noch andere davon profitieren! 

Irgendwann lernte ich dann, dass es auch Autoren gibt, die ein Buch herausbringen, ohne dass es ihnen Herzblut abverlangt hätte, oder die – Herzblut hin oder her – einfach nur mittelmäßig oder sogar schlecht schrieben. Ich machte es mir zur Regel, meine Lebenszeit nicht für Werke anderer zu opfern, die ich nicht für erhaltenswert hielt. Ich gebe zu, dass ich meinem inneren Zensor auch mehr Rechte einräumte und Bücher entsorgte, die meiner Ansicht nach keiner mehr lesen sollte, weil z.B. reißerisch mit einem sensiblen Thema umgegangen wird. (Diese Zensur ist allerdings selten, meist entsorge ich Bücher, weil sie einfach keiner mehr haben will, inklusive mir.) 

Doch wahrscheinlich ist es für dich mit einem einfachen “erlaub es dir halt” nicht getan. Deswegen will ich ein paar der Gründe, aus denen viele Menschen Bücher nicht entsorgen, näher beleuchten, und dir helfen, sie als Denkfehler zu entlarven.

Drei Denkfehler, die dich am Entsorgen hindern

“Bücher wirft man nicht weg!” Dieser Gedanke besteht meistens ohne nähere Begründung, er hat sich einfach fest als Verhaltensregel eingebrannt. “Das macht man nicht!”, Entrüstung schwingt darin mit, die Forderung von Kultiviertheit, Anstand! Doch wie bei so vielen eingeübten Regeln empfiehlt es sich, sie auf den Prüfstand zu stellen. Warum sollte man Bücher nicht entsorgen?

  1. “Bücher sind ein Kulturgut!”
    Dann frage ich dich: Hast du jemals vorgehabt, dich gegen das Medium Buch an sich zu wenden? Würdest du die deutsche Nationalbibliothek (wo von jeder Veröffentlichung zwei Exemplare gelagert werden) schließen oder gar abreißen wollen? Ist durch das Entsorgen deiner ausgemisteten Bücher die Möglichkeit deiner Mitmenschen, an Lesestoff zu kommen, in irgendeiner Weise beeinträchtigt? Wohl kaum. Bedenke, dass du nicht “das Buch an sich” loszuwerden versuchst, sondern eine ganz konkrete Anzahl physischer Produkte, die in deinem Leben keinen Platz mehr haben. Du wirst dadurch übrigens auch kein Stück dümmer. Wahrscheinlich kommt sogar eher die eine oder andere Synapsenverbindung hinzu, weil du mal etwas Neues wagst. 
  2. “Das hat Geld gekostet!”
    Und es wird dich noch mehr kosten, wenn du es nicht loslässt. Selbst wenn du genug Stauraum hast, zahlst du immer weiter in ein schwarzes Loch ein, wenn du Dinge behältst, die dich belasten: Du bezahlst mit deinen Nerven, deiner Freiheit und deiner Zeit, die du zum Umschichten, Suchen und vor allem Hadern brauchst. Wenn du häufiger Schwierigkeiten damit hast, etwas wegzugeben, was dich Geld gekostet hat, empfehle ich, dich ausgiebiger mit der sog. Sunk Cost Fallacy oder auch dem Concorde-Effekt zu befassen.
    Tipp: auch “Das könnte ja noch was wert sein!” kann dich fesseln. Und am Ende verbringst du Stunden damit, Ankauf-Anbieter zu vergleichen, Artikelbeschreibungen zu verfassen, die Bücher von A nach B und wieder zurück zu tragen, nur um ein paar Euro mehr herauszuschlagen. Das wird dich jedoch mehr kosten, als es dir bringt: Was hättest du mit dieser Energie und in dieser Zeit nicht alles aufziehen können, was dir mehr gebracht hätte? (Schlagwort: Opportunitätskosten). Ich sage nicht, dass man jedes ausgemistete Buch unbesehen wegwerfen sollte, denn es kann noch überraschend viel zurückgewonnen werden, doch es ist wichtig, dabei auf ein angemessenes Verhältnis von Aufwand und Gewinn zu achten. 
  3. “Das könnte aber doch jemandem noch Freude machen!”
    So wie dir gerade? Sicher, du könntest deine Zeit damit verbringen, denjenigen ausfindig zu machen. Doch sei ehrlich: welche deiner ausgemisteten Bücher werden wahrscheinlich gerade von jemand anderem auf der Welt sehnsüchtig gesucht? Hast du wirklich solche ganz besonderen Einzelstücke? Oder ist das meiste, was du loswerden willst, nicht gerade deshalb für dich uninteressant, weil es einfach nicht so gut ist? Wie viel Zeit willst du damit verbringen, anderen ihr Glück hinterher zu tragen, v.a. wenn sie es womöglich gar nicht so wichtig finden? Was könntest du stattdessen mit deiner Zeit tun, was die Welt deutlich effektiver verbessert? (Opportunitätskosten gibt es auch in Bezug auf Zeit)

Und dann gibt es da noch “Zu schade zum Wegschmeißen” – was genau bedeutet das eigentlich? Was bedauerst du wirklich an dem Gedanken? Oder ist es nicht vielleicht eine antrainierte Phrase, die noch aus einer Zeit stammt, als man “ja nu gar nix” hatte? Denk mal drüber nach …

Insbesondere am Anfang ist es schwierig, solche inneren Einwände zu ignorieren. Das ist nicht schlimm. Es wird jedes Mal einfacher: erinnere dich vor allem daran, dass es auch anders geht. 

5 Schritte, um Bücher stressfrei loszuwerden

Wie kannst du nun aber die Bücher konkret loswerden? Ich habe für mich einen 5-Schritte-Plan definiert, der dir auch helfen könnte:

  1. Gezielt verschenken. Wenn mir jemand einfällt, dem ich mit genau diesem Buch eine Freude machen kann, frage ich, ob er es haben möchte. (Achtung: ich schleppe nicht meine kompletten Bücherkartons zu all meinen Bekannten, das macht mir unnötig Arbeit und meiner Umgebung unnötig Druck, denn viele Menschen können insbesondere beim Thema Bücher nicht nein sagen.) Du kannst auch ganz unverbindlich z.B. in der Whatsapp-Gruppe deines lokalen Vereins nachfragen, ob jemand was haben möchte (lokal, damit derjenige die Bücher bei dir abholen kann).
  2. Verkaufen. Mein Favorit für Bücher mit ISBN ist Momox, ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Barcode einscannen oder ISBN eintippen, alles, was noch Geld bringt, in einen Karton packen und kostenlos einschicken, einige Tage später gibts das Geld aufs Konto. Super einfach und schnell. Für Bücher ohne ISBN, bei denen ich schätze, dass sie noch was wert sind, prüfe ich ZVAB und nutze Ebay oder Ebay Kleinanzeigen. Achtung: Verhältnis von Aufwand und Gewinn beachten. Wenn dir die Einschätzung schwer fällt, orientiere dich an deinem Stundenlohn (auch an dem gewünschten Stundenlohn, denn du könntest die Zeit ja auch darauf verwenden, deine berufliche Situation zu verbessern!)
  3. Frei verschenken. Was noch übrig ist, landet an einem schönen Tag in einem Karton an der Straße, auf dem groß “zu verschenken” steht. Alternativ bringe ich die Sachen zum Second Hand Laden, wobei die meisten schon übervoll mit Büchern sind, daher mach ich das v.a., wenn ich gleichzeitig anderes dorthin bringe, z.B. Klamotten. Auch öffentliche Bücherschränke sind eine Option (wobei diese häufig bereits überquillen).
    Anmerkung: das ist meine übliche Vorgehensweise beim Ausmisten. Bei meiner großen Ausmist-Aktion habe ich diesen Schritt tatsächlich übersprungen, weil es einfach viel zu viel war. Es ist nicht auszuschließen, dass ich damit jemanden um ein gutes Leseerlebnis gebracht habe. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass das Buch bei jemand anderem genauso im Regal verstaubt und ich vor allem den Großteil unangetastet hin- und herschleppen muss, wäre deutlich höher gewesen. 
  4. Wegschmeißen. Was der Second Hand Laden nicht will und auch auf der Straße nicht mitgenommen wird, hat einfach keinen Platz mehr in dieser Welt. Ist noch ein wirklich schönes Exemplar dabei, nehme ich es evtl. noch zum Orimoto-Basteln. Aber auch da habe ich bereits einen guten Vorrat, deswegen mache ich das meistens auch nicht. Der Rest landet im Papiermüll.
    Klingt hart, ist aber letztlich für alle das Beste. Für mich, die ich nichts mehr mit mir herumtrage, was mich nur belastet. Den Second Hand Laden, der keinen Ladenhüter in seinem Regal hat, der ihm nur Arbeit macht. Für den Autor, der sowieso nichts davon erfährt und sein Buch immerhin nicht mehr in irgendwelchen Ramschkisten sehen wird. Und für meine Gesundheit, weil sich kein Staub mehr ansammelt und ich meinen Rücken nicht mehr mit schwerem Rumschleppen belaste. Für die Umwelt, weil das Material wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird. Und meinen Geldbeutel, weil ich keine Miete für Flächen ausgeben muss, auf denen Zeug steht, dass ich nicht mehr brauche. Usw.
  5. Keine Reue. Es ist mir noch nie (!) passiert, dass ich mir im Nachhinein dachte: “Ach verflixt, DAS Buch hätte ich doch behalten sollen!” Nie. Sollte es jemals der Fall sein, werde ich es wieder auftreiben. Oder einen anderen Weg finden, die Antworten zu bekommen, die ich mir davon erhoffe.

Sei konsequent! Wenn du etwas aussortiert hast, tut es dir nicht gut, es zu behalten. Triff eine endgültige Entscheidung für behalten oder nicht behalten, die dann nicht mehr davon abhängig ist, ob das Buch einen neuen Besitzer findet oder nicht. Was keiner mehr will, landet im Müll, so ist es für alle besser! Du tust niemandem – niemandem! – einen Gefallen, wenn du einknickst. 

Fazit

Bücher zu entsorgen kann ein Prozess voller Unsicherheit sein, weil damit viele Glaubenssätze verbunden sind, derer wir uns oft nicht bewusst sind. Es lohnt sich, diese zu hinterfragen und dem eigenen Aufwand einen Wert einzuräumen. Ehrlich hinschauen, sich feste Regeln setzen und diese konsequent anwenden ist der Schlüssel, auch in Zukunft deine Bücher loslassen zu können. 

Fällt es dir nun leichter, ausgemistete Bücher zu entsorgen? Oder hängst du noch an einer bestimmten Stelle? Schreib es in die Kommentare!

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