Wie du dich festlegst, ohne dich einzuschränken

Im vorigen Artikel habe ich dir gezeigt, wie du dir Zeiträume schaffst, in denen du deine vielen Projektideen endlich angehen kannst. Doch womit anfangen? Du hast zwar Zeit, aber nicht genug Zeit für alles – wie wählst du das aus, womit du hinterher wirklich glücklich bist? Das zeige ich dir in diesem Artikel!

Fokus setzen ohne Verzicht

Eine der größten Ängste, die Menschen mit vielen Interessen haben, ist die Angst, etwas zu verpassen (sog. Fear Of Missing Out oder FOMO). Du würdest dich ja für etwas Schönes entscheiden – wenn du dabei nicht etwas anderes Schönes aufgeben müsstest! Dann beginnt das Grübeln: Welches Schöne ist schöner? Was ist vielleicht jetzt doof, lohnt sich aber langfristig? Vor lauter Unsicherheit tun wir dann oft gar nichts, um uns nicht entscheiden zu müssen. Doch das ist häufig die schlechteste Wahl. Wie lässt sich dieses Dilemma aushebeln?

Der Trick besteht darin, die Dinge ausfindig zu machen, auf die zu verzichten dich nicht stört. Auch das ist einmal kurz anstrengend, weil du dir Gedanken machen und vielleicht ein paar unliebsame Wahrheiten anschauen musst. Aber es macht aber einen riesigen Unterschied in deinem Leben! Denn wenn du Klarheit darüber hast, was dir warum wichtig ist, fängst du gar nichts mehr an, was dich weiter davon weg führt. Du flickst damit das Leck, durch das immer neuer Stress in dein Leben sprudelt, und kannst dich endlich wieder nach den Sternen umsehen, um das anzusteuern, was du wirklich erreichen willst. 

Wie also kannst du herausfinden, bei welchen Themen es sich überhaupt lohnt, sich darum zu kümmern? Indem du einmal kräftig Inventur machst:

1. Übersicht schaffen

Weißt du wie viele Aufgaben du gerade wirklich hast? Was steht alles auf deiner To-Do-Liste und vor allem: Was steht nicht darauf? Welche Aufgaben hast du im Hinterkopf, aber nicht auf dem Papier? Du kannst dir sicher einiges merken, aber schaffst du es wirklich, alles im Blick zu behalten? Wenn ja: Gratulation, du hast ein außergewöhnliches Gehirn. Wenn nein: Mach dir nichts draus, du bist in guter Gesellschaft. Die Kontrolle über deine Themen zurückgewinnen kannst du trotzdem.
Unser Arbeitsgedächtnis ist ein erstaunliches Werkzeug: Wir können hunderte von Aufgaben gleichzeitig im Kopf behalten und unser Unterbewusstsein wird sie uns immer wieder vorlegen, damit wir alles schaffen, was wir möchten. Dummerweise ist es nicht gut darin, die richtigen Aufgaben zum richtigen Zeitpunkt einzubringen. Stattdessen fällt uns ein, was wir noch einkaufen müssen, während wir eigentlich eine wichtige E-Mail schreiben wollen. Und wenn es eigentlich darum geht, entspannt einzuschlafen und uns zu erholen, tauchen die unerfüllten Lebensträume aus den Tiefen auf und wir stellen unseren kompletten Lebensentwurf in Frage. Deswegen ist es so wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit dafür sorgen, dass wir den Überblick zurückgewinnen , die Aufgaben sortieren, priorisieren und sinnvolle Konsequenzen erarbeiten.

Wie machst du das konkret?

Indem du alles aufschreibst, was dir durch den Kopf geht. Also nicht den ganzen Tag, da wärst du ja permanent beschäftigt. Sondern immer dann, wenn dir etwas einfällt, was du noch erledigen möchtest oder was du beachten willst. Wie genau du dir die Dinge notierst, ist dir überlassen. Manche arbeiten lieber mit einem bunten Journal, manchen reicht ein simples Notizbuch. Andere bevorzugen es, ihre Aufgaben digital zu verarbeiten (mein Lieblingstool dafür: Todoist bzw. Evernote für Notizen). Die Hauptsache ist, dass du jederzeit darauf zugreifen kannst und alle für dich relevanten Bereiche erfasst. 
Wenn du das erste Mal versuchst, deine vielen Themen in den Blick zu kriegen, kannst du auch ein großes Blatt Papier nehmen (z.B. einen Flipchart-Bogen) und erstmal alles querfeldein notieren, was dir einfällt. Danach kannst du Farben zur Hilfe nehmen und zusammengehöriges markieren oder Verbindungslinien ziehen. 

2. Bedürfnisse erkennen

Menschen sind unterschiedlich. Was dem einen leicht fällt, ist für den anderen womöglich eine unüberwindliche Hürde. Und was der eine sehnsüchtig erhofft, entlockt dem anderen vielleicht nur ein müdes Lächeln. Deswegen funktioniert es nicht, einfach den Tagesplan von erfolgreichen Personen zu kopieren, zur selben Zeit aufzustehen, dasselbe Müsli zu essen, denselben Sport zu machen und auf dieselben Aktien zu setzen. Wir können Fakten zur Kenntnis nehmen und Prinzipien kennenlernen, die es uns erleichtern, effektiver voran zu kommen. Doch letztlich ist es unser Weg, den wir gehen müssen. 

Um herauszufinden, was für dich sinnvoll ist, ist es ungemein hilfreich, deinen persönlichen Mix aus Wünschen, Glaubenssätzen, Fähigkeiten, Stärken und Werten zu kennen. Je besser du darüber Bescheid weißt, wie du tickst, desto leichter wird es dir fallen, dein Leben so anzupassen, dass dieses individuelle Bündel Persönlichkeit dort ankommt, wo es gut aufgehoben ist. 

Der meiner Ansicht nach stärkste Hebel dafür sind deine Bedürfnisse. Sie sind die unter deinen oberflächlichen “will ich”-Gefühlen und intuitiven Handlungen steckenden Triebfedern. Außerdem lassen sie sich deutlich flexibler angehen als unsere offensichtlichen Wünsche. 
Beispiel: Du bist verliebt, sagen wir mal in einen Mann. Er ist stark, packt die Dinge an, kann sich durchsetzen – das findest du toll! Aber du bist dir auch unsicher: Dir gegenüber ist er nämlich auch ziemlich grob. Von Zärtlichkeit will er nichts wissen, und wenn du über deine Träume sprichst, lacht er bloß. Bei dir schrillen die Alarmglocken, aber du sehnst dich gleichzeitig schrecklich nach ihm. Wenn du nun einen guten Draht zu deinen Bedürfnissen hast, merkst du: Was du eigentlich willst ist nicht er, es ist der Schutz und die Tatkraft, die er ausstrahlt. Vielleicht reizt dich seine Einfachheit, die deinen komplexen Problemen gegenübersteht. Oder du suchst nach Unterstützung, weil es dir schwer fällt, dich anderen gegenüber durchzusetzen. Doch wenn du darüber nachdenkst, brauchst du für all das nicht unbedingt diesen Menschen. Insbesondere, wenn du dann haufenweise neue Schwierigkeiten bekommst. 

Es geht nicht darum, einen Weg zu suchen, auf dem es keine Probleme gibt – den wirst du kaum finden. Aber wenn du weißt, was hinter deinen Aktionen steht, worum es dir wirklich geht, kannst du wesentlich leichter die ausfindig machen, die du auch ohne wirklichen Verzicht weglassen kannst. 

3. Prioritäten setzen

“Du musst eben Prioritäten setzen” ist ein gern gebrauchter Ratschlag. Und er ist auch nicht grundsätzlich falsch! Prioritäten sind extrem hilfreich, um deinen Alltag danach auszurichten. Doch es ist nicht so leicht zu erkennen, was denn nun eigentlich wie wichtig ist. Deswegen ist es nicht sinnvoll, die Prioritäten an den Anfang der Überlegungen zu stellen. Erst, wenn du weißt, was du alles machst, und warum du überhaupt daran arbeitest, kannst du klären, welche konkreten Projekte dich dabei weiterbringen. 
Dafür schaust du dir an, was du dir von den einzelnen Projekten versprichst und wie gut sie tatsächlich dafür geeignet sind, deine Erwartungen zu erfüllen. Du schätzt ein, was wie viel Einfluss auf deine Ziele hat, und gibst dann den Aufgaben den Vorrang, die am wichtigsten dafür sind. Dabei ist es sinnvoll, das Gesamtbild im Auge zu behalten. Du willst ja nicht nur ein Ziel erreichen und dann feststellen, dass währenddessen alles andere den Bach runtergegangen ist. Dafür ist es hilfreich, dir einen Überblick darüber zu verschaffen, was du in welchem Bereich deines Lebens erreichen möchtest und was du dafür brauchst. 

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Fazit

Je klarer du dir darüber bist, worum es dir eigentlich geht, desto leichter wird es dir fallen, die dazu passenden Projekte zu erkennen. Wenn du weißt, was du eigentlich alles machst, warum du damit angefangen hast und wo du hin möchtest, dann werden sich die passenden Projekte dazu regelrecht herauskristallisieren. Und was nicht dazu gehört, setzt sich ab und kann von dir ganz einfach gestrichen werden – ganz ohne Verzicht. 


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