In meinem Coaching bringe ich oft Formulierungen wie “tu weniger”, “schau, was dir gut tut” oder “wenn es so nicht geht, dann mach es eben anders, das ist ok”. Nun wurde ich von einem meiner Leser gefragt, wie denn das damit vereinbar ist, etwas zustande zu bringen, Leistung sei ja auch etwas Gutes. Und da hat er durchaus Recht!

Wie du den Wunsch, leistungsfähig zu sein, so mit dem Thema Selbstfürsorge zusammenbringst, dass sie gemeinsam und nicht mehr gegeneinander arbeiten, das erfährst du in diesem Artikel.

Leistung: Zwang oder Tugend?

Vielleicht ist dir dieses ganze Gerede davon, wie du produktiver werden kannst, ja auch ein Greuel: Du bist doch keine Maschine! Dein Leben hat doch auch so Wert, egal, was du leistest! Warum sollst du überhaupt etwas leisten müssen?

Die Antwort ist ganz einfach: Du musst gar nichts, es ist deine Entscheidung. Aber jede Entscheidung hat Konsequenzen. Ich persönlich fände es schade, auf dem Sterbebett auf mein Leben zurückzublicken und festzustellen: “Joa, so ein paar Basics hab ich auf die Reihe gekriegt, aber dann hat’s aufgehört”. Du kannst das natürlich anders handhaben, aber ich möchte mehr. Ich möchte an meinem letzten Tag mit einem zufriedenen Seufzen zurücksinken und mir denken: “Jup, geil war’s.” (Oder was auch immer ich als alte Dame so denke, aber hey, warum soll ich nicht “jup, geil war’s” denken?)

Umgekehrt kannst du dir auch denken, dass Leistung an sich schon eine Tugend ist. Etwas, dass dich von den faulen Säcken dieser Welt abhebt, die nichts auf die Reihe bringen. Durch sie wirst du ein Mensch mit Wirksamkeit, du kannst Einfluss nehmen, wie sich die Menschheit entwickelt, und deinen Teil dazu beitragen, dass die Welt besser wird.
Auch das ist nicht generell falsch. Aber was hast du davon, wenn du dabei kaputt gehst? Wenn es dich unglücklich macht, was du dir alles vorgenommen hast, aber aus deiner menschlichen Fehlbarkeit heraus nicht erreichen kannst? Ist das Label “fleißig”, dass du dir aufkleben kannst, es wert, dass du dafür deine Lebensfreude verlierst? (Und wenn das für dich kein Argument ist, weil du dich als Märtyrer siehst: Was kannst du alles nicht erreichen und verbessern, wenn du vorzeitig aufgeben musst?)

Du ahnst es schon: Wie so oft ist das Extrem keine gute Idee. Entweder du kriegst nichts auf die Reihe oder du schaffst viel, musst aber teuer dafür bezahlen.

Und dann gibt es natürlich noch den so oft beschworenen (und auch häufig sinnvollen) “goldenen” Mittelweg: Etwas tun, Erfolge haben, eine Veränderung in der Welt bewirken – ohne dabei unter die (Zahn)Räder zu kommen. Klingt gut, oder? Aber wie geht das konkret?

(Gezielte) Selbstfürsorge ist Produktivität

Der erste große “Trick” ist, dass Selbstfürsorge der Leistung nicht grundlegend entgegensteht. Sie ist vielmehr eine wichtige Voraussetzung dafür!

Wenn ein Auto keinen Treibstoff bekommt, fährt es eben irgendwann nicht mehr. Und auch dein Handy steckst du ganz selbstverständlich immer wieder an sein Ladekabel. Dein Körper (und dein Geist!) braucht auch ab und zu eine frische Ladung Energie. Was genau dein idealer “Treibstoff” ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden: manche erholen sich, indem sie mal wieder ungezwungen mit Freunden chatten, andere brauchen eine Auszeit mit einem guten Buch oder einen Spaziergang in der Natur.

Die meisten Menschen, ob introvertiert oder extrovertiert, fühlen sich besser, wenn sie

1. genug trinken,

2. frische Luft bekommen,

3. sich bewegen,

4. ausschlafen.

Wenn du aber auch noch deine persönlichen Geheimzutaten für optimale Erholung kennst, wird es dir noch leichter fallen, auch mit kurzen Pausen deine Power zurück zu gewinnen.

Und auch jenseits der körperlichen Bedürfnisse ist Selbstfürsorge ein wichtiger Faktor. Manchmal brauchst du ein ermutigendes Wort, ein Erfolgserlebnis, gute Musik oder auch etwas Zeit zum Weinen. Nicht, damit du dann schnell wieder funktionierst, sondern einfach weil es dir gut tut. (Schneller funktionieren tust du obendrein, es gibt eine Win-Win-Situation, wenn du da keine Kompromisse eingehst!)

Der Knackpunkt, damit Selbstfürsorge nicht in die Faulheit kollabiert, ist allerdings, sie nicht vorzuschieben: “Ich muss mich jetzt ausruhen, ich kann unmöglich noch etwas tun!” Das kann richtig sein, manchmal brauchen wir eine ordentliche Auszeit, aber oft ist das nur eine andere Ausdrucksweise für “Ich bin frustriert, weil ich nicht weiterkomme, und will mich nicht mehr damit befassen.” Auch das kann eine Auszeit beheben – aber nur, wenn du dir bewusst bist, was du gerade wirklich brauchst. Und nicht deine Pause “nutzt”, um dich auf Facebook herumzutreiben oder irgendwelche halbherzigen Versuche zu unternehmen, deine Wohnung aufzuräumen, bis du so schlecht gelaunt bist, dass du den Abend nur noch vor dem Fernseher verbringen und dann ins Bett fallen kannst. Das ist keine Selbstfürsorge, sondern Prokrastination.

Aber woran erkennst du, ob du gerade gut für dich sorgst oder nur prokrastinierst?

Selbstfürsorge ist Prokrastination mit positivem Effekt

Es ist relativ einfach (auch wenn es ein Weilchen dauern kann, bis du den Unterschied benennen kannst, wenn du dich eine Weile beobachtest): Wenn du dich durch deine Selbstfürsorge-Aktivitäten besser fühlst, wenn du dich danach motivierter fühlst, an den Dingen zu arbeiten, die dein Leben verbessern, dann ist das echte Selbstfürsorge. Denn du hast in dir einen Drang, dich zu entwickeln, der nur durch zu viel Auslastung abnimmt. Bist du dagegen danach genauso oder noch schlechter gelaunt als zuvor, dann hast du prokrastiniert. Schau in dem Fall mal, ob du wirklich Pause gemacht oder nur Zeit totgeschlagen hast, damit der Tag schneller rum ist. (Ab und zu ist das ok, aber deine Lebenszeit ist begrenzt und du kannst nicht ewig darauf warten, dass es von selbst besser wird!)

Tipp: Solltest du auch in ausgeruhtem Zustand die Lust verlieren, wenn du an ein Projekt denkst, solltest du dir darüber Gedanken machen, ob du es wirklich (so) weiterführen willst – oder ob du nicht lieber eine Alternative suchst, die dich glücklicher macht. Das kann sich schwierig anfühlen, weil du keine andere Möglichkeit siehst, aber ich kann dir versprechen: Es gibt immer mehr als einen Weg!

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Fazit

Leistung und Selbstfürsorge schließen einander nicht aus. Wechsle sie in gesundem Maße ab, nutze deine persönlichen Energie-Booster und entlarve Prokrastination, und du wirst mehr zustande bringen, ohne dich dafür mehr anzustrengen.


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