Zu welchen Aufgaben du “Nein” sagen solltest

Es ist eine weit verbreitete “Krankheit”, besonders unter Frauen: Nicht “Nein” sagen können. Deswegen werde ich noch mehr Artikel der Frage widmen, wozu und vor allem wie du Nein sagen kannst zu allem, was dich nicht weiterbringt. Heute geht es um Aufgaben, die von außen an dich herangetragen werden. Welche davon musst du erledigen, welche nicht? Wie merkst du, wenn eine Aufgabe nicht gut für dich ist, und wie kannst du dann “Nein” sagen?

Was heißt “müssen”?

Wir lassen uns oft auf Kompromisse ein: Eine Aufgabe ist unangenehm, macht keinen Spaß, ist vielleicht sogar schädlich für uns – aber wir müssen eben. Wir zwingen uns, weil es um etwas geht, was uns noch wichtiger ist: Dem Chef zu gehorchen, um unseren Job nicht zu gefährden, oder der Schwiegermutter nicht zu widersprechen, damit die Familienharmonie gewahrt bleibt. Oft geht es dabei darum, jemandem zu gefallen. Manchmal sind das auch wir selbst, weil wir uns nicht sehen wollen als jemand, der z.B. seine To-Do-Liste nicht fertig bekommt.

Was wir dabei übersehen ist, dass wir selbst es sind, die uns diese Ansprüche entgegenhalten. Mit einer Zwangssituation wie der sprichwörtlichen Pistole an der Stirn oder aber der Frage nach dem freien Willen an sich hat das wenig zu tun. (Tipp: Wenn du dich für die Frage interessierst, ob wir in unserem Willen frei sind, empfehle ich das philosophische, aber auch für Laien gut lesbare “Handwerk der Freiheit” von Peter Bieri.)

Das Perfide ist, dass uns aber genau diese Extremfälle einfallen, wenn wir das Wort “müssen” hören. Was wir “müssen”, ist in Stein gemeißelt, da kommen wir nicht drumrum, es gibt keinen anderen Weg. Aber vielleicht stimmt das gar nicht. 

Unterscheide echte Zwänge von bloßen Gewohnheiten

Wenn du dich mal wieder in einer Situation findest, in der du das Gefühl hast: “Das muss ich jetzt machen, auch wenn ich eigentlich nicht will”, halte kurz inne – oft reichen ein paar Sekunden! – und frage dich, ob das überhaupt stimmt. Was weißt du mit Sicherheit darüber, wie der andere reagieren wird? Welches Risiko besteht tatsächlich, wenn du es drauf ankommen lässt? 

Wenn dir gerade eine Pistole an die Stirn gehalten wird, ist wahrscheinlich nicht der richtige Zeitpunkt für Experimente. Aber wenn dich deine nervige Kollegin mal wieder einspannt, für sie zur Post zu gehen, “weil du das ja immer so nett machst”, könnte das womöglich eine gute Gelegenheit sein.  

Dann frage dich: 
Möchte ich das wirklich machen? 
Passt es mir gerade rein? 
Wer fragt mich da und wie wichtig ist es mir wirklich, dieser Person zu gefallen?

Überlege dir auch: 
Wenn ich dieser Bitte oder Aufforderung nachgebe, wen setze ich damit zurück (z.B. den wichtigen Kunden, dem ich gerade eine Email schreiben wollte – oder auch mich selbst!)? 
Ist es das wert? 

Kommst du zu dem Schluss, dass die Situation für dich gerade so nicht passt, und es sich nicht um jemanden handelt, bei dem du alle deine Träume in den Wind schießt, wenn du ihm widersprichst, versuch es ruhig mal mit einem “Nein”. (Bonus-Tipp: Wenn es einen Menschen gibt, von dem alle deine Träume abhängen, ist es vielleicht auch an der Zeit, das einmal zu hinterfragen 😉 )

Beachte: “Nein sagen” heißt nicht automatisch “unfreundlich werden”! 

woman wearing yellow elbow-sleeved shirt
Foto von Alex Blăjan auf Unsplash

“Nein sagen” geht auch freundlich

Dabei musst du nicht von deinem Standpunkt abweichen. Viele – besonders Frauen – kennen nur zwei Möglichkeiten, mit anderen umzugehen: nett und schüchtern oder stark und unfreundlich. Wenn sie dann nicht auf den Tisch hauen wollen, sehen sie keine andere Option mehr, als sich zu fügen. Doch die Bandbreite ist viel größer! Mit etwas Übung kannst du sagen, was du brauchst, ohne den anderen irgendwie von oben herab zu behandeln oder einen Streit vom Zaun zu brechen. Mehr darüber erfährst du z.B. in diesem Artikel: Wie du für dich einstehen kannst, ohne zum Arschloch zu werden 

So erkennst du Aufgaben, zu denen du “Nein” sagen solltest

Das erste Kriterium ist dein Bauchgefühl. Wird dir mulmig, atmest du schneller oder spannen sich deine Schultern an? Das sind Zeichen dafür, dass dich diese Aufgabe unter Stress setzt. Auch wenn du es überspielst: Du machst das nicht mal easy-peasy nebenher. Überlege dir, ob diese Aufgabe den zusätzlichen Stress wert ist.
Tipp: Es kann auch sein, dass du das häufiger erlebst, wenn jemand mit etwas Spontanem auf dich zukommt. Dann bist du vielleicht jemand, der von Natur aus etwas mehr Vorlauf braucht. Ja, Spontaneität lässt sich trainieren – aber du musst dich nicht schämen, wenn du sie nicht sofort und jederzeit aufbringen kannst, vielleicht bist du einfach nicht der Typ dafür, das ist ok und kann sogar eine echte Stärke sein!

Hilfreich ist, wenn du dich selbst gut kennst:

Was ist dein Aufgabenbereich? Worin bist du kompetent? Wofür bist du wirklich zuständig?
Sag “Nein” zu Aufgaben, für die du nicht der richtige Ansprechpartner bist!

Frage dich auch, ob diese Aufgabe JETZT für dich angemessen ist: Hast du gerade die Kraft dafür, diese Aufgabe auch noch zu stemmen? Wird dir alleine etwas aufgehalst, was man nur zu mehreren sinnvoll lösen kann?
Sag “Nein” zu Aufgaben, die unangemessen viel von dir fordern! 

Manchmal ist es auch wichtig, noch eine Ebene tiefer zu gehen: Was sind deine Werte? Passt die Aufgabe dazu oder kannst du dir nicht mehr in die Augen sehen, wenn du sie annimmst?
Sag “Nein” zu Aufgaben, die nicht zu deinen Werten passen!

Achte auch darauf, dass du nur das tust, was auch langfristig sinnvoll für dich ist. Es spricht nichts dagegen, mal für die Kollegin einzuspringen. Aber ihr ständig mit dem metaphorischen Feuerlöscher hinterher zu rennen, ist nicht Sinn der Sache.
Sag “Nein” zu Aufgaben, bei denen du anderer Leute Mist aufräumen musst!

Auch für jemanden den Kopf hinzuhalten, der dich in seine eigenen Kämpfe reinzieht, ist keine gute Idee.
Sag “Nein” zu Aufgaben, die dich in die Mitte eines Konfliktes befördern, der dich gar nicht betrifft!

Und zu guter Letzt: Denke auch an dich und deine Ziele. Als “die Nette” bekannt zu sein, bringt dir vielleicht ein bisschen was, aber deine eigene Arbeit voran zu bringen, macht die Welt wirklich besser.
Also: Sag “Nein” zu Aufgaben, deren Erfüllung dir nichts bringt.

Fazit

Es lohnt sich zu hinterfragen, welche Aufgaben du wirklich annehmen “musst”, und wo du unnötig viel aufgibst, bloß um Menschen zu gefallen, die für dich vielleicht gar nicht so wichtig sind. Sag öfter “Nein”, besonders zu Aufgaben, die dir schaden. Das geht auch ohne Unfreundlichkeit. 

Bonus-Tipp: “Nein sagen” ist übrigens auch ein toller Weg, um mehr Zeit für die Dinge zu gewinnen, die dir wirklich wichtig sind! In meiner großen Zeitfresser-Checkliste findest du noch viele weitere – melde dich jetzt zum Newsletter an und hole dir die Liste!


Zum Weiterlesen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.