Warum du mehr bewirken kannst, als du gerade denkst

Trotz Corona den Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit bewahren

In der Welt passiert gerade sehr viel, das uns verunsichert. Wir verlieren die Kontrolle, fragen uns vielleicht sogar erschrocken, ob wir sie je hatten. Das Gefühl von Machtlosigkeit ist allgegenwärtig – doch du kannst gerade mehr bewirken, als du denkst! Wie, das zeige ich dir in diesem Artikel.

Rückschläge lassen uns an unserer Wichtigkeit zweifeln

Wir sind biologisch darauf ausgelegt, die Dinge im Griff haben zu wollen. Der Wunsch nach Dominanz – nicht im Sinne dessen, dass man andere runtermachen will, sondern dass man gerne Einfluss auf die Situation hat – ist eine der grundlegendsten Triebfedern des menschlichen Verhaltens. Leider bekommen wir meist nicht beigebracht, dass es mehr als eine Form von Einflussnahme gibt. Wir wollen gerne, dass es nach unserem Kopf geht. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen: wir wünschen uns, mit dem Verstand Entscheidungen zu treffen, die dann bitteschön genauso passieren sollen. Wenn es so läuft, ist es ja auch sehr angenehm: ich sage, was passieren soll, und es passiert, yeah, Dominanz! Nur dummerweise läuft es so meistens nicht. Das verursacht Unzufriedenheit, Stress und Zweifel an den eigenen Möglichkeiten. “Meine Wünsche haben eben keine Relevanz” ist leider oft die – falsche! – Schlussfolgerung. 

Deine Wünsche haben durchaus Relevanz! Nur vielleicht anders, als du meinst. 
Unsere Welt, insbesondere die menschliche Gesellschaft, deren Einflussnahme unverkennbar ist, wird durch uns geformt. Nicht durch den Willen des Einzelnen – selbst die “großen Herrscher” der Geschichte wären nicht dort gelandet, wo sie waren, hätte nicht das Kollektiv der Menschen sich so entwickelt, dass ihre Herrschaft begünstigt wurde. Die Menschheit entwickelt sich als Ganzes, und jeder Einzelne trägt zu dieser Entwicklung bei.

Keiner von uns ist entscheidend, es findet nämlich überhaupt keine Entscheidung statt, alles ist ein Entwicklungsprozess. Aber das ändert nichts daran, dass jeder daran beteiligt ist. Jede Handlung, jede Wahl unsererseits trägt zu diesem Prozess bei, und das macht uns wichtig. Nur auf eine andere Art, als wir es gewohnt sind zu denken. 

Du bist nicht allein! 

Die Probleme der Welt wurden nicht durch einen einzelnen Menschen geschaffen. Genauso wenig ist es die Aufgabe eines Einzelnen, sie alleine zu lösen. 

Erkenne deine wahren Grenzen

Wo hört dein Einflussbereich wirklich auf? Teilweise schon beim Nachbarn – und teilweise erst am Ende der Welt. Die Welt ist komplex. Wo deine freundliche Art den einen auf die Palme bringt, rettet sie vielleicht dem anderen das Leben. Du kannst nichts machen, was immer und für alle das Richtige ist. Irgendjemand wird immer sagen, dass es falsch ist, einfach weil es für ihn gerade nicht passt.

Darum nimm nicht die Meinung der anderen zur Grundlage, sondern lebe so, wie du es dir von dieser Welt wünschst. Wisse um die Probleme, die vorhanden sind, lerne, mit Menschen umzugehen, die anders denken als du. Und dann suche deinen Weg dazwischen hindurch. Du bist nicht verantwortlich dafür, wie die Welt gewachsen ist. Aber du kannst deinen Teil dazu beitragen, die zukünftige Richtung zu bestimmen. Entscheidend ist deine Haltung dem Ganzen gegenüber. Dadurch hast du mehr Einfluss, als du denkst.

Hattest du schonmal ein Vorbild? Menschen orientieren sich gerne an anderen Menschen, insbesondere, wenn sie bei diesen etwas sehen, was sie auch gerne sein oder können würden. Aber lass dich nicht täuschen: du bist nicht erst dann ein Vorbild, wenn du “es geschafft hast”. Du hast jeden Tag Einfluss auf deine Mitmenschen, das liegt in unserer Natur (Stichwort Spiegelneuronen).

Statt also anzunehmen, dass du keinen Einfluss auf der Welt hast, mache dir klar, wo dein Einfluss wirklich liegt: nämlich in deiner direkten Umgebung. Achtung: damit ist nicht gemeint, dass du nur deinem Nachbarn helfen kannst und wenn der nicht will, du eben allein daheim sitzt und nichts tust. Deine direkte Umgebung kann auch sein, dich mit deinem PC mit Menschen auf der anderen Seite der Welt zu vernetzen und sie mit Spenden zu unterstützen. Nur lass dir nicht einreden, dass das der einzige Weg wäre, etwas zu bewirken. 

Vorwürfe sind einfach – aber nicht effektiv

Es ist eine basale Reaktion unserer Angst, einen Schuldigen zu suchen. Je klarer dein Feindbild, desto leichter scheint die Aufgabe, deine Sicherheit zurück zu gewinnen. Leider neigen Menschen dazu, sich gegenseitig in einen Teufelskreis von Schuld zu werfen, und dabei die Sicherheit, um die es eigentlich ging, zu vergessen. Deswegen ist es so wichtig, sich nicht auf das hässliche Spiel aus Vorwürfen und Rechtfertigungen einzulassen, sondern sich konstruktiv zu positionieren.

Was meine ich damit? Wenn du an einem schönen Tag durch die Fußgängerzone gehst, wirst du an jeder Ecke darauf aufmerksam gemacht, dass du noch nicht genug für diese Welt tust: der Bettler an der Ecke braucht deine Hilfe dabei, von der Straße wegzukommen, der Tierschutzverein sammelt spenden, vor dem Möbelgeschäft kannst du dir Gedanken machen, ob dein Sofa schon nachhaltig genug ist.

Es spricht grundsätzlich überhaupt nichts dagegen, sich für eine bessere Welt zu engagieren, im Gegenteil. Was jedoch häufig passiert, ist dass der Frust über das Unglück in Vorwürfe umschlägt: Du willst nicht spenden? Magst du etwa keine Tiere? Wie, du möchtest dem Bettler kein Geld geben? Hast du etwa Vorurteile und denkst, dass jeder Mensch, der auf der Straße sitzt, selbst daran schuld ist? (Merkste was? Das ist eine lupenreine Einladung dazu, einen Schuldigen zu suchen. Lass dich darauf nicht ein! Dir etwas vorzuwerfen, was du eigentlich gar nicht gesagt hast, nennt man übrigens ein Strohmannargument.)

In diesen Beispielen geht es primär ums Geld, aber nur vordergründig. Denn wir sind keine Roboter. Es geht uns nicht darum, dass wir den Euro theoretisch nicht unbedingt brauchen, und ihn deshalb genauso gut abgeben könnten. Sondern wir versuchen abzuwägen, wie sinnvoll unser Einsatz ist, und da spielen viele Aspekte mit rein: wie schwer wir uns gerade damit tun, Geld zu bekommen. Wie sehr wir an unserem Besitz hängen – und wie sehr wir bereit sind, uns das einzugestehen. Wie wir die Vertrauenswürdigkeit des anderen einschätzen. Da spielt mit hinein, wie oft wir schon enttäuscht wurden. Und und und.

Wäre es so simpel, dass du ein schlechter Mensch bist, weil dir Geld wichtiger ist als deine Mitmenschen, könnte man dir zurecht einen Vorwurf machen. Aber dem ist nicht so. 

Wir wünschen uns eine schnelle Lösung, einen klaren Schuldigen. Aber wenn wir merken, dass das nicht die einfache Lösung ist, die wir uns erhoffen, sondern mehr Leid verursacht als Nutzen bringt, können wir uns nach Alternativen umsehen. 

Lebe deine Kompetenzen

Was kannst du also tun, um aus dem Kreislauf von Schuld, Vorwurf und Rechtfertigung herauszukommen? Konzentriere dich auf dich. Damit ist nicht gemeint, die Probleme der Welt zu ignorieren, solange es dir gut geht. Denn das ist keine sichere Grundlage. Wenn dein Boot untergeht, solltest du das Leck zu reparieren helfen, auch wenn du gerade noch trockene Füße hast. Aber ob du Holz trägst, den Nagel hältst, den Hammer schwingst, das Wasser ausschöpfst oder auch das Ganze koordinierst, ist eine andere Frage. Tu etwas, setz dich ein, aber mach es dort, wo du wirklich etwas bewirken kannst. 

Dazu ist es wichtig, dich selbst kennen zu lernen. Aber je mehr du darüber weißt, wo deine Stärken liegen und vor allem wo nicht, desto leichter fällt es dir auch, dich von Vorwürfen nicht mehr treffen zu lassen. Und wenn du aus dem Teufelskreis aussteigst, hast du plötzlich viel mehr Kapazitäten, um dich um alles zu kümmern, was für dich gerade wirklich relevant ist. 

Fazit

Das Gefühl von Machtlosigkeit entsteht dadurch, dass wir uns verantwortlich fühlen für Dinge, die zu komplex sind, um sie alleine zu lösen. Konzentriere dich auf das, was jetzt gerade in deinem Leben passiert, nimm eine Vorbild-Haltung ein und kümmere dich darum, deine konkrete Umgebung besser zu machen. Niemand außer dir selbst kann dir sagen, was das genau bedeutet, lass dich also nicht auf Vorwürfe ein. Steige aus dem Teufelskreis aus und hol dir die Kraft zurück, mit der du wirklich etwas bewirken kannst! 

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