Warum Akzeptanz und Weiterentwicklung kein Widerspruch ist

Warum Akzeptanz und Weiterentwicklung kein Widerspruch ist

Wer mit sich selbst in Frieden leben will, muss sich so akzeptieren, wie er ist.

Selma Lagerlöf

Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.

Konfuzius

“Du bist gut so, wie du bist” – “Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst” – “Akzeptiere, was du nicht ändern kannst” – “Nimm dein Leben in die Hand” – Ja, was denn nun? Sollen wir uns annehmen, so wie wir sind, oder uns verändern und besser werden?

Wie kann ich mich schon voll ok finden, wenn ich nicht der Mensch bin, der ich eigentlich sein will? Wie kann ich gut sein, wie ich bin, wenn ich vielleicht sogar anderen Menschen und mir selbst mit meinen Handlungen schade? Blockiere ich nicht meine Weiterentwicklung, wenn ich akzeptiere, wie es ist?

Der Knackpunkt ist, dass all diese Bedenken an der falschen Stelle ansetzen. Denn Akzeptanz ist nicht das Gegenteil von Weiterentwicklung, sondern deren Basis.

Nur mit Akzeptanz ist Veränderung überhaupt erst sinnvoll

Stell dir vor, es regnet durch das geöffnete Fenster rein. Du siehst aber nicht ein, dass es jetzt regnen soll, und behauptest steif und fest, die Sonne scheint. Warum solltest du das Fenster schließen? Es wäre vollkommen absurd, auf die gute Luft zu verzichten, schließlich spricht ja überhaupt nichts dagegen, das Fenster offen zu lassen! Erst wenn dir langsam kalt wird, dein Lieblingsbuch nass wird oder deine Liebsten sich in ein anderes Zimmer zurückziehen, überlegst du dir, ob es nicht an der Zeit ist, den Regen zu akzeptieren und das Fenster zu schließen.

Beachte, dass die Akzeptanz nichts damit zu tun hat, was die Konsequenzen deiner Einsicht sind! Du bist nicht gezwungen, das Fenster offen zu lassen, bloß weil du akzeptierst, dass es regnet. Im Gegenteil, erst wenn du die Wahrheit akzeptierst, kannst du sinnvoll eine Veränderung durchführen.

Was aber ist wahr?

Vorsicht bei scheinbar unumstößlichen Wahrheiten. Ob es regnet oder nicht, ist noch leicht zu erkennen, aber ob du “eh zu nichts taugst und es nie zu etwas bringen wirst” ist eine andere Frage.

Akzeptiere das Jetzt, und die Zukunft wird sich anpassen

Bei Akzeptanz geht es nur um den aktuellen Zustand. Vielleicht bist du gerade in irgendeinem Punkt inkompetent. Du kannst nicht kochen oder traust dich nicht, vor einer Menge zu sprechen. Na und? Das sagt rein gar nichts über deine Zukunft aus! Wenn es jetzt regnet, heißt das weder, dass die Sonne nie wieder scheint – noch dass du nicht mit Regenschirm spazieren gehen, einen schönen Abend vor dem Kamin verbringen, Regentonnen verkaufen oder ein Gedicht über das Wetter schreiben kannst.

MUSS ich mich weiterentwickeln?

Umgekehrt ist es nicht zielführend, auf Teufel komm raus eine Weiterentwicklung anzustreben. Wenn du mit deinem Wunsch nach Veränderung in erster Linie deinen Glaubenssatz “Ich bin nicht gut genug” fütterst, ist das nicht Sinn der Sache.

Akzeptanz heißt auch: Du bist gut genug

Gut genug sein und sich noch verbessern zu können, schließt sich nicht aus. Auch ein einfaches Haus schützt vor Wind und Wetter, und das sollte auch gewürdigt werden.

Wenn du glaubst, dich ständig weiterentwickeln zu MÜSSEN, prüfe lieber, was du an dir noch nicht genug wertschätzt: Vielleicht kannst du noch nicht so gut für dich einstehen, aber dafür kannst du gut zuhören. Oder du hast zwar keine Ahnung davon, wie man einen Haushalt führt, aber dafür kannst du gut mit Geld umgehen (und die Haushaltshilfe oder die passende Weiterbildung bezahlen). Denke einen Schritt weiter, finde heraus, worum es wirklich geht, und plötzlich sind viele deiner Unzulänglichkeiten nur noch halb so wild.

Beides ist wichtig: Deine aktuelle Situation anzuerkennen, aber auch Missstände wahrzunehmen. Es ist nicht hilfreich, wenn du dich hinter einer vorgespielten Selbstliebe versteckst und sagst: “So bin ich eben, ich akzeptiere das”, nur um dich nicht verändern zu müssen. Denn letztlich schneidest du dir damit ins eigene Fleisch. Akzeptanz ist der erste Schritt, aber auch nur das. Geh diesen Schritt zu Ende, sonst stolperst du, aber dann geh weiter.

Nur was akzeptiert wird, kann verändert werden. Nur was Veränderung erträgt, ist wirklich akzeptiert worden.

Fazit

Akzeptanz ist der erste Schritt zur Veränderung, ihre Basis. Erkenne deine Situation voll an, dann denk darüber hinaus. So findest du neue Wege und entwickelst dich weiter.

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