Hohe Ansprüche entspannt umsetzen Teil 3

9 ungewöhnliche Kenntnisse, die sich zu lernen lohnen

Heute bekommst du eine Auswahl an nützlichen Kenntnissen und Routinen. Dabei habe ich bewusst auf Klassiker wie “Schlafe regelmäßig”, “Übe Dankbarkeit” oder “Mach Sport” verzichtet. Das sind zwar sehr gute Routinen, die sich anzueignen lohnen, doch solche Empfehlungen bekommst du überall. (Wenn du sie noch nicht kennst, schau dir gerne mal eine entsprechende Liste an.)

Ich zeige dir ein paar Techniken und Prinzipien, von denen ich erst später im Leben erfahren habe, die ich aber jedem empfehlen kann:

  1. Gewaltfreie Kommunikation
  2. Psychologie (Bedürfnisse richtig deuten)
  3. Focusing
  4. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Geld
  5. Authentisches Marketing
  6. Kochen
  7. Photoreading
  8. Stenografie
  9. Klarträumen

1. Gewaltfreie Kommunikation

Was zunächst nach “wie rede ich mit jemandem, ohne ihn zu schlagen” klingt, ist in Wirklichkeit ein hocheffektives System für alle Arten von Konflikten, mit anderen oder sich selbst. Du kannst damit Themen wie “Mein Kollege unterbricht ständig meine Arbeit” oder “Mein Mann lässt seine Socken rumliegen” angehen, aber genausogut sowas wie: “Ich bin unglücklich und weiß nicht genau warum”.

Bei der GfK geht es darum, den Konflikt nach Beobachtung, Gefühlen, Bedürfnissen und Bitten aufzudröseln. Statt also zu schimpfen: “Du bist nie für mich da!” sagt man: “Mir ist aufgefallen, dass du jetzt schon das dritte Mal unseren Paarabend verschoben hast (Beobachtung). Ich bin traurig (Gefühl), weil ich dir gerne häufiger nah sein möchte und mich einige Themen belasten, über die ich mit dir reden will (Bedürfnisse). Können wir bitte einen Termin festmachen, an dem wir das mal wieder in Ruhe tun können? (Bitte)”
Das ist am Anfang sehr ungewohnt, die Sprache wirkt zu Beginn sehr künstlich, aber man hat bald raus, worum es eigentlich geht, und es macht so vieles so viel einfacher!

Mein Mann und ich sind ca. 1 Mal im Monat in einer GfK-Übungsgruppe und lernen immer wieder Spannendes über das menschliche Miteinander. Streiten tun wir übrigens – ich traue mich fast nicht zu sagen “nie”, aber mir fällt tatsächlich kein Fall ein, der nicht innerhalb von kürzester Zeit auf der Bedürfnisebene angekommen und bald wieder gut war.

Gewaltfreie Kommunikation kann man durch Kurse oder Coachings lernen, als Einstieg empfiehlt sich die Lektüre des Buches von Marshall Rosenberg*, dem Erfinder der GfK (toller Typ, auch auf Youtube gibt es einige richtig gute Sachen von und mit ihm).

2. Psychologie

Passend dazu möchte ich dir die Fähigkeit ans Herz legen, deine Bedürfnisse deuten zu lernen. Generell die Beschäftigung mit der menschlichen Psyche halte ich für sehr hilfreich. Damit meine ich jetzt kein Freud-Studium, sondern mehr darüber zu lernen, wie unser Gehirn funktioniert, wo unsere Gefühle herkommen und wie wir irrtümlich handeln, wenn wir etwas Bestimmtes möchten.

Beispiel: Schoki essen, um sich gut zu fühlen. Es ist sehr hilfreich, abwägen zu lernen, wann mich ein leckeres Stück happy macht und wann ich bloß frustfresse und mich hinterher noch schlechter fühle. Ähnliches gilt für “Aufs Sofa legen” (brauche ich wirklich eine körperliche Pause oder werde ich versumpfen?) oder “Shoppen” (Wie lange hält die Freude über das Neue an? Kriege ich einen Gefühls-Bumerang ab, wenn ich auf mein leeres Konto oder meine volle Wohnung schaue?)

Wenn du dich selbst besser kennenlernst, sparst du dir viel Korrekturarbeit, weil du dich dann direkt um das kümmern kannst, worum es wirklich geht, statt doppelt und dreifach an Ersatzhandlungen rumzudoktorn.

3. Focusing

Eine Technik, die ich sehr spannend finde, weil sie einen Bereich erschließt, den man sonst erstaunlich wenig kennt: die Kommunikation mit dem eigenen Körper. Hast du schonmal Kopfschmerzen gehabt, die sicher nicht auf eine Grippe oder den Partyabend zurückzuführen waren? Vielleicht will dich dein Körper darauf aufmerksam machen, dass den neuen Auftrag abzuschließen dich mehr stresst, als du dachtest.

Beim Focusing gibt man den vagen Spannungen, Druckgefühlen, Schmerzen etc. gezielt Aufmerksamkeit. Grob gesagt setzt du dich im Geist neben den Schmerz wie neben einen Freund und fragst ihn, was los ist. Es ist noch ein bisschen mehr dabei, aber meiner Erfahrung nach lohnt es sich, mal einen Blick auf das Thema zu werfen, weil sich erstaunlich viel bereits entspannt, wenn es nur richtig wahrgenommen wird.

Focusing erlernen kannst du z.B. mit dem Buch von Ann Weiser Cornell.

4. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Geld

“Igitt” werden jetzt wahrscheinlich einige denken. Das Thema Geld ist nach wie vor sehr tabuisiert, es wird mit Stress, Neid und moralischen Konflikten assoziiert. Zugleich ist es allgegenwärtig und vor allem auch einfach nützlich. Ich habe nicht vor, die verschiedenen Gesellschaftssysteme mit oder ohne Währung zu analysieren. Es geht mir darum, dass es sich lohnt, sich mit dem Thema zu befassen. Denn die meisten von uns bekommen nur einen oberflächlichen Blick darauf, wie Geld funktioniert und in welche Richtungen man dazu denken kann. Es lohnt sich, die eigenen Glaubenssätze zu hinterfragen, intuitiven Schlussfolgerungen zu misstrauen, sich über Finanz-Irrtümer* aufzuklären und eine klare Stellung zum Thema zu beziehen.

Auch den Überblick über die eigenen Finanzen zu gewinnen und aufrecht zu erhalten, lohnt sich. Zu wissen, was du wofür ausgibst, was du wo und vor allem warum angelegt hast, wie viel deine Zeit dir wert ist und wie du in Krisenzeiten nicht nur über die Runden kommen, sondern entspannt deinen Weg weitergehen kannst – das alles kann dich mehr entlasten, als du jetzt vielleicht ahnst.

Ich empfehle Bücher zum Thema Geld nur bedingt, weil es meiner Meinung nach sinnvoller ist, sich mit den dahinter liegenden Gedanken und Gefühlen zuerst zu befassen, und erst dann konkret zu lernen, wie man sein Geld anlegen kann. Es gibt z.B. viele Möglichkeiten, mit Immobilien reich zu werden. Aber ob es sich lohnt, seine Kraft und Zeit in ein Business zu lenken, das einem nicht liegt (sofern es einem eben keinen Spaß macht, mit Immobilien zu arbeiten), oder ob man nicht besser sein Geld mit dem zu verdienen lernt, was einem wirklich taugt, ist eine andere Frage. Und diese zu beantworten, finde ich viel lohnender.

Um ein paar Grundprinzipien zu verstehen, kann ich Youtube empfehlen, dort gibt es diverse Erklärungsvideos zum Thema Geld (wichtig: such dir einen Youtuber, der dir sympathisch ist. Es bringt nichts, dich von jemandem an das Thema heranführen zu lassen, dessen Werte du nicht teilst. Ich mag beispielsweise Kolja Barghoorns Kanal “Aktien mit Kopf“). An Büchern lesenswert fand ich z.B. Rich dad, poor dad von Robert Kiyosaki*.

5. Authentisches Marketing

Was habe ich früher gekämpft, ein Marketing zu lernen, das ich im Innersten abgelehnt habe! Rhetorische Kniffe, erzwungenes Storytelling, den Kunden manipulieren und so lange bearbeiten, bis er kauft… ich fand es schrecklich. Erst viel später habe ich gelernt, dass es auch noch ein anderes Marketing gibt.

Authentisches Marketing hat nichts damit zu tun, dem Kunden irgendetwas aufzuschwatzen, was er nicht braucht. Sondern einfach nur das, was du besonders gut kannst, für diejenigen sichtbar zu machen, denen genau das am meisten hilft. Win-Win.

Es dauert vielleicht etwas länger, als ein paar Verkäufe über Clickbait zu produzieren, aber es fühlt sich viel besser an…

Unterstützung für deinen authentischen Marketingauftritt bekommst du z.B. hier.

6. Kochen

Manche bekommen es von klein auf beigebracht, andere essen ihr Leben lang Fertiggerichte. Ich habe zwar im Studium schon mehr hinbekommen als “Wasser heiß machen”, aber erst später entdeckte ich die Freude daran, selbstständig aus dem, was da ist, etwas Leckeres machen zu können. (Deshalb führe ich das auch als “ungewöhnliche Kenntnis auf: viele kochen eben nur das, was sie von der Packung ablesen können.)

Das hing auch damit zusammen, dass ich erstmals im Leben eine Woche gefastet hatte. Mein Körper hatte dadurch gelernt, was mein Kopf schon wusste, aber eben nur in der Theorie: dass er nicht gleich stirbt, wenn er mal eine Weile nichts zu essen bekommt. Wo ich früher schlicht keine Lust mehr hatte, noch lange am Herd zu stehen, wenn der Hunger bereits eingesetzt hat, konnte ich mir jetzt entspannt die Zeit nehmen, mir ein Rezept rauszusuchen, evtl. sogar noch einkaufen zu gehen und dann eine halbe Stunde zu kochen.

Doch auch ohne diese Erfahrung lohnt es sich, das Thema einmal anzugehen. Du wirst überrascht sein, was du mit ein paar Gewürzen für Effekte erzielen kannst!

Lass dich dabei nicht verrückt machen, jetzt unbedingt low-carb, vegan oder auch nur vegetarisch kochen zu müssen (auch wenn da echt viel möglich ist). Du musst dir keinen teuren Superfood-Kochkurs leisten. Es genügt vollkommen, irgendwie anzufangen: such dir ein Rezept auf Chefkoch.de raus und halte dich einfach an die Anweisungen. Mit der Zeit bekommst du ein Gespür für Kochdauer, Konsistenzen und Geschmack. Wenn dir dann die Grundlagen leicht fallen, kannst du komplexere Gerichte ausprobieren und dich mit verschiedenen Ernährungskonzepten befassen.

7. Photoreading

Wer gerne liest, sollte Photoreading ausprobieren. Ich habe das Lehrbuch letztes Jahr in der Bücherei entdeckt und bin begeistert. Insbesondere Sachbücher lassen sich damit deutlich schneller lesen, es soll aber auch für Romane funktionieren.

Der Trick beim Photoreading besteht darin, ein Buch nicht nur einmal von vorne bis hinten zu lesen, sondern es mehrfach durchzugehen. Dabei wird die Fähigkeit des Gehirns genutzt, auf einen Blick viele Details zu erfassen, auch wenn man sie nicht bewusst verarbeiten kann. D.h. die ersten Male kriegt man vom Text noch nicht viel mit, das macht aber nichts, weil man dann später beim “richtigen” Lesen sofort sehen kann, ob eine Passage wichtig für einen ist oder nicht. Das Gehirn hat das ja alles schon mal gesehen. So werden Füllwörter, Beispiele etc. nur noch überflogen, die wichtigen Informationen dazwischen aber aufgenommen (anders als beim normalen Überfliegen eines Textes, wo nur einzelne Abschnitte angeschaut werden). Der Genuss am Lesen wird dabei nicht geschmälert, es geht einfach nur viel schneller.

Es gehört noch ein bisschen mehr dazu, als ein Buch einfach nur mehrmals durchzublättern, ich empfehle, das Lehrbuch* durchzuarbeiten oder einen Kurs zu machen.

8. Stenografie

“Das hat meine Oma noch gelernt…”, höre ich manchmal, wenn ich z.B. im Zug dabei beobachtet werde, wie ich etwas stenografiere. Die Deutsche Einheitskurzschrift (kurz DEK) war früher weit verbreitet unter Sekretärinnen, bevor die Technik fortschritt und nur noch wenig handschriftlich notiert wurde. Ich habe die DEK mal zu lernen angefangen, sie aber schnell wieder fallen gelassen: zu umständlich, zu viele Ausnahmeregelungen, außerdem – was mich am meisten abgeschreckt hat – kann man sie nur mit Bleistift schreiben.

Im Gegensatz dazu kann ich die Rationelle Stenografie empfehlen, auch Stiefografie genannt (nach ihrem Erfinder Helmut Stief). Diese hat nur wenige Regeln, keine Ausnahmen und lässt sich mit jedem Stift schreiben. Selbstlernzeit anhand der Lehrbücher waren bei mir ca. 2 Wochen. Ich habe die Stiefo gegen Ende des Studiums kennengelernt und meine Vorlesungs-Aufschriebe damit deutlich effizienter gestaltet (wer nicht noch beim letzten Satz hängt, weil er ihn fertig aufschreiben muss, kann dem Gedanken besser folgen), inzwischen nutze ich sie vor allem im Rollenspiel als Geheimschrift. Das schnelle Wiederlesen ist schwierig, wenn man es nicht regelmäßig macht (da muss ich mich an der eigenen Nase fassen). Aber für eine superschnelle Notiz, bevor der Gedanke verschwunden ist (Traumtagebuch), oder auch um etwas aufzuschreiben, was nicht jeder lesen können soll (Passwörter), dafür eignet sie sich hervorragend.

Das Lernmaterial kann beim Ökobüro Hanau bestellt werden, hier kann die erste Lektion kostenlos heruntergeladen werde.

9. Klarträumen

Nicht unbedingt “nützlich” für den Alltag, aber hochinteressant und ein tolles Erlebnis: im Traum wissen, dass man träumt, und Einfluss auf die Traumwelt nehmen. Es braucht etwas Zeit, bis sich die Übungen auszahlen, aber es lohnt sich: was früher eine willkürliche Fahrt durch das Unterbewusstsein war, kann so gelegentlich (oder auch richtig häufig, wenn man es trainiert) zu einer aktiven Reise in neue Welten werden. Auch Gespräche mit dem Unterbewusstsein sind möglich, ebenso wie aktive Alptraum-Bekämpfung und Trauma-Verarbeitung (das habe ich selbst nicht ausprobiert, aber die Berichte klingen sehr interessant).

Wer fantastische Welten liebt, dem kann ich nur empfehlen, sich mal in seinen eigenen Träumen umzuschauen.

Lernen kann man das Klarträumen aus Büchern*, es gibt aber auch Kurse dazu, z.B. an der VHS.

Fazit

Es gibt viele nützliche Kenntnisse, von denen man – unangemessenerweise – in den typischen Lebenshilfebüchern nicht viel hört. Manche haben zwar mehr Gimmick-Charakter, es lohnt sich dennoch, auch einmal damit herumzuspielen, womöglich erkennt man dann, wie praktisch es für einen selbst ist.

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