Gastartikel von Tanja Groß

„Ich habe keine Kraft mehr…“ Das hat vor einiger Zeit eine Freundin zu mir gesagt. „Ich bin müde, fühle mich kraft- und lustlos. Selbst die Dinge, die mir an und für sich Spaß machen, nerven mich nur noch.“

„Ups!“, dachte ich. Da läuft was schief. Was bedeutet eigentlich Kraft für mich in diesem Zusammenhang?

Kraft allgemein

In der klassischen Physik versteht man unter Kraft „eine Einwirkung auf einen Körper, die ihn beschleunigt, das heißt seine Geschwindigkeit vergrößert oder verringert oder deren Richtung ändert, oder die ihn verformt.“ 1

Im Sport heißt es Kraft sei „die Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems, Widerstände zu überwinden (konzentrische Arbeit), ihnen entgegenzuwirken (exzentrische Arbeit), sie zu halten (statische Arbeit).“ 2

Schön! Und jetzt? Was soll mir das im Alltag bringen?

Wenn ich so viele Aufgaben zu erfüllen habe, dass ich es gar nicht schaffen kann? Wenn am Ende vom Tag noch so viel zu erledigen übrig geblieben ist?

Wenn alle immer etwas von mir wollen und ich schon gar nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht?

Erst mal heißt es dann anhalten. Lass das Hamsterrad doch mal kurz stehen. Atme… Einfach nur atmen…

Was brauchst du gerade?

Was sagt dein Körper?

Sind deine Grundbedürfnisse erfüllt? Hast du genug gegessen und getrunken, warst du schon auf der Toilette? Wie geht es dir eigentlich gerade?

Wenn du dein Auto immer nur fährst und nicht tankst, bleibt es irgendwann stehen. Dann ist nichts mehr mit „beschleunigen“, „Richtung ändern“ oder irgendetwas bewirken.

Dein Körper braucht also genau wie das Auto Aufmerksamkeit, Treibstoff und Pflege. Wenn du beim Auto das rote Lämpchen nicht siehst, das den fast leeren Tank anzeigt, bleibst du stehen.

Wo zeigt dein Körper schon kleine Warnsignale? Knurrt dein Magen? Hast du trockene Lippen? Verspürst du irgendwo im Körper Spannungen?

Wenn ich all das ignoriere, habe ich irgendwann keine Kraft mehr. Ich komme nicht mehr voran. Weder kann ich etwas halten, noch bewegen.

Was sagt deine „Seele“?

Wie sieht es mit deinem Herzen aus? Ich meine jetzt deine Gefühlswelt.

Machst du genug von dem, was dein Herz und deine Augen strahlen lässt?

Was hast du früher schon gern gemacht? Gönnst du dir Zeit für dich?

Wenn ich immer nur funktioniere, immer weiter das mache, was andere von mir erwarten, immer weiter meinen eigenen hohen Anspruch erfüllen möchte, verliere ich mit der Zeit den Kontakt zum Sinn des Ganzen. Mein Akku läuft leer und irgendwann bleibe ich stehen. Der Antrieb fehlt, ich habe keine Kraft mehr und „mein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe, so müd‘ geworden, dass er nichts mehr hält“ (Zitat aus „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke).

Denn wer sagt eigentlich, was du alles „musst“?

Jetzt mal ehrlich… Du selbst, oder?

Schnäppchen-Jäger

Oh! Möglicherweise regst du dich jetzt auf und sagst: „Du hast gut reden! Ich muss arbeiten und Geld verdienen. Ich muss mich um die Kinder und das Haus kümmern. Alles bleibt an mir hängen. Irgendeiner muss es ja tun. Wenn ich mich nicht kümmere, dann läuft gar nichts.“

Letztendlich hat alles seinen Preis. Du hast recht:

Wenn du nicht arbeitest, verdienst du kein Geld. Dann kannst du dir Vieles nicht leisten. Keinen Urlaub, keine besonderen Dinge, keine zusätzlichen Freuden materieller Art. Verhungern muss in Deutschland jedoch niemand. Dafür gibt es ein soziales Netzwerk.

So gesehen bist du im Grunde ein großer Schnäppchen-Jäger. Du wägst ab, welchen Preis du bereit bist zu zahlen. Letztendlich entscheidest du also doch selbst, was du „musst“. Somit ist es in Wirklichkeit ein „ich will“. Eine bewusste Entscheidung. Mache ich da heute noch mal mit oder eben nicht?

Delegieren und Pareto-Prinzip – 80% ist gut genug

Du könntest dich auch zum Beispiel fragen, ob du wirklich alles selbst tun musst.

Was könntest du delegieren? Wer könnte dich unterstützen, damit du an manchen Stellen Kraft sparen kannst? Oder denkst du vielleicht heimlich, das kannst nur du so? Das kann niemand anders so gut? Ist das wirklich so?

Möglicherweise hilft dir auch das alt bekannte „Pareto-Prinzip“. Es besagt, „dass 80% der Ergebnisse mit 20% des Gesamtaufwands erreicht werden. Die verbleibenden 20% der Ergebnisse erfordern mit 80% des Gesamtaufwands die quantitativ meiste Arbeit.“

Macht es da vielleicht manchmal Sinn, seinen eigenen Perfektionsanspruch herunterzuschrauben und es mit 80% gut sein zu lassen? Wenn die restlichen 20% dann mit 80% der Kraft erfüllt werden „müssten“?

Wie hast du „schwere“ Zeiten bisher gemeistert?

Beim Thema Kraft fällt mir auch ein: Wie hast du es bis hierher geschafft? Was hat dir in „schlechten“ Zeiten geholfen? Wie hast du das überstanden? Und was hast du da gemacht?

Manchmal geschehen Dinge in unserem Leben, die sind nun mal, wie sie sind. Jemand im Umfeld wird krank, jemand stirbt oder ein Familienkonstrukt bricht zusammen. Natürlich ist das eine große Herausforderung und gerade in diesen Zeiten dürfen wir alle Kraftreserven mobilisieren, um da durchzugehen.

Wenn du schaust, wie du mit ähnlichen Situationen umgegangen bist, was oder wer dir da am meisten geholfen hat, kannst du vielleicht weitere Kraftquellen für dich entdecken.

Widerstand ist zwecklos

Im Winter sprechen wir von einer Widerstandskraft des Immunsystems.

Fürs Leben kostet Widerstand nur unglaublich viel Kraft.

Wenn ich mich gegen das wehre, was mir entgegenkommt, tut es weh.

Es ist, wie es ist. Oder „et kütt wie et kütt“, sagt der Rheinländer.

Manche Situationen sind eben so, wie sich zeigen und lassen sich gerade nicht ändern. Ein Beispiel: Ich möchte mit den Kindern zum Eselwandern gehen, aber leider regnet es in Strömen. Jetzt kann ich mich aufregen und furchtbar sauer darüber sein, dass es regnet. Am Ende ändert es jedoch nichts. Es regnet weiter.

Anstatt mich zu ärgern kann ich auch sagen: Es soll eben gerade nicht sein. Wer weiß, wozu es gut ist? Was könnte ich anstelle dessen mit den Kindern tun? Und am Ende verbringen wir den Tag mit Basteln und Teetrinken am Ess-Tisch und wir haben eine wunderbare Zeit zusammen. Anstatt mir den Tag vermiesen zu lassen und alle „schmollen“ nur so vor sich hin, weil es regnet.

Gesunde Selbstfürsorge

Um in deiner Kraft zu bleiben, geht es darum, gut für dich selbst zu sorgen. So wie du vielleicht auch schon für andere sorgst. Denk immer daran, wie im Flugzeug bei Druckluftabfall ist. Da lernen wir vor dem Flug von den Flugbegleitern, dass wir uns zuerst die Sauerstoffmaske aufziehen sollen, die von oben aus der Decke fällt, und dann den anderen helfen sollen. Das hat nichts mit Egoismus oder Egozentrik zu tun. Wenn wir selbst keine Kraft mehr haben, können wir auch nichts mehr geben.

Also achte gut auf dich und das, was dir Kraft gibt. Tausche dich vielleicht mit anderen darüber aus, was ihnen Kraft gibt und schau, wie du selbst bisher Kraft für alles gefunden hast.

Ich wünsche dir alles Gute, möglichst viel Freude und tolle Inspirationen für dich. Und ganz besonders viel viel Kraft für alle deine Herausforderungen im Leben.

Deine Tanja von www.deinkraftimpuls.de

1 https://de.wikipedia.org/wiki/Kraft

2 https://www.online-trainer-lizenz.de/lexikon/k?w=kraft


Vielen Dank an Tanja für diesen Artikel!
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